Chor Grenzenlos aus Spenge spendet 2.000 Euro an Verein HandanHand
Die gute Nachricht zuerst: „80 bis 85 Prozent der an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen, werden wieder gesund“, sagt Andreas Tilly, Vorsitzender der Elterninitiative krebskranker Kinder Ostwestfalen-Lippe e.V.. Durch den medizinischen Fortschritt gebe es heute sehr gute Krebs-Therapien mit wenig Nebenwirkungen und Spätfolgen.
Es ist Samstagnachmittag, als Gudula Ebeling und Margret Bitter vom Vorstand des Chor Grenzenlos aus Spenge Andreas Tilly und Cornelia Reichseder von der Elterninitiative HandanHand im Kinderzentrum Bethel treffen. Der Anlass: Beim Frühjahrskonzert des Chores am 21. März in der Spenger Martinskirche hatte der Chor auf Eintrittsgelder verzichtet und das Publikum statt dessen um Spenden für den Verein gebeten. Die Resonanz der Konzertbesucherinnen und -besucher war riesig: 2.000 Euro konnte der Chor dem Verein nun überbringen.
Denn auch, wenn die Überlebensrate der jungen Patientinnen und Patienten mit dem reinen Blick auf die Zahlen erst einmal Mut macht, ist die Diagnose „Ihr Kind hat Krebs“ zunächst eine Katastrophe. „Die gesamte familiäre Lebensplanung bricht zusammen“, erzählt Tilly. Wie alle Mitglieder der Elterninitiative HandanHand sind er und Cornelia Reicherseder selbst betroffen. Der Sohn von Andreas Tilly erkrankte mit 14 Monaten an einem Hirntumor. „In dem Augenblick habe ich mich als Versager gefühlt“, schildert er seine Erinnerung.
1995 formierte sich die Elterninitiative. „Die Gespräche der betroffenen Eltern untereinander waren sehr hilfreich“, sagt Cornelia Reicherseder, deren Sohn damals an Leukämie erkrankte. Es stellte sich schnell heraus, dass der anfängliche Gesprächskreis nicht ausreichte. Die Eltern wollten mehr tun für die erkrankten Kinder. Sie gründeten den Verein HandanHand und sammelten Spenden. Sie kauften TV-Geräte für die Krankenzimmer, Videos und Spiele für die Kinder, die oft eine längere Behandlungszeit in der Klinik bleiben mussten. 1999 führt der Verein eine Ergotherapie auf der onkologischen Kinderstation ein und finanzierte über etliche Jahre die Therapeuten. „Die Ergotherapie findet nicht auf Rezept statt, sondern richtet sich nach den Wünschen der Kinder“, erzählt Andreas Tilly. Das reiche von Boxen über Malen, Musik bis zu Specksteinarbeiten. Zwei Räume stehen auf der onkologischen Station dafür zur Verfügung. Doch es werde auch schon mal auf dem Flur Fußball gespielt.
Besonders stolz ist der Verein auf die Einrichtung der Elternküche. Sie ist voll ausgestattet und ein Ort der Begegnung. Hier können Gespräche geführt oder gemeinsam das Lieblingsessen der Kinder gekocht werden.
Das Highlight sei jedoch der Erwerb eines Ferienhauses an der Nordsee in Horumersiel, sagt Cornelia Reicherseder. Das wurde möglich, als eine alte Dame dem Verein ihr Vermögen vermachte. Mit weiteren Spenden wurde das Haus für den Zweck passend umgebaut. Nun finden dort die Kinder und Jugendlichen mit ihren Familien die idealen Voraussetzungen, nach der belastenden Therapie wieder gesund zu werden. Auch für die Unterhaltung des Haus „Phönix“ werden laufend Spenden benötigt.
Die aktuelle Spende des Chor Grenzenlos wird in die Unterstützung einer akut betroffenen Familie fließen. Das an Krebs erkrankte Kind muss jede Woche zu einer speziellen Strahlentherapie in das Klinikum nach Essen. Der Transport wird nicht von der Krankenkasse übernommen. Der Hintergrund der Familie ist von Existenzangst geprägt. Hier unterstützt der Verein mit Benzingutscheinen. „Wir geben kein Bargeld weiter“, erklärt Andreas Tilly. „Wir kooperieren mit dem Sozialdienst der Klinik Bethel um sicherzustellen, dass Hilfe nur dort geleistet wird, wo sie wirklich benötigt wird. Viele Hinweise auf Hilfebedarf kommen auch von den Ergotherapeuten.“ So habe der Verein schon mal Winterkleidung für betroffene Kinder gekauft oder ein Bett mit Matratze.
Etwa 70 neuerkrankte Kinder kommen aus einem Umkreis von rund 50 Kilometern jährlich zur Krebsbehandlung nach Bethel. Andreas Tilly, der als Glaser arbeitet, investiert etwa fünf bis zwölf Stunden in der Woche in die Projekte des Vereins. 16 (auch etliche gute) Jahre durften er und seine Frau mit ihrem Sohn verbringen. Dann siegte der Krebs. Der Sohn von Cornelia Reicherseder ist heute 40 Jahre alt und gesund. „Die Eltern der erkrankten Kinder stehen unter extremer Belastung. Sie müssen gut auf sich achten, die Scheidungsraten sind hoch…“, sagt Tilly. „Kinder und Eltern brauchen in dieser schweren Zeit Trost, Verständnis, Stärke und Halt. Wir wissen das, weil wir als Elterninitiative HandanHand selbst Betroffene sind.“
Mehr über den Verein und wie Sie ihn unterstützen können finden Sie unter www.handanhand.de
Text und Foto: Carola Ritterhoff










