„Wenn’s am schönsten ist, sollte man gehen“.

Am 23. März hat der Chor Grenzenlos einen neuen Vorstand gewählt und seine langjährige 1. Vorsitzende Marion Wetzorke aus dem Amt verabschiedet.

Hier eine kleine Rückschau und persönlicher Ausblick im Interview mit Marion.

 

Seit wann warst Du 1. Vorsitzende beim Chor?

Ein offizielles Mandat hatte ich erst seit der Vereinsgründung 2018. Da mussten ja entsprechend Ämter besetzt werden. Aber gefühlt war ich eigentlich von Anfang an Vorsitzende, also seit 1998. Ich habe schon immer sehr gerne planvoll organisiert und so alles am Laufen gehalten.

Was hat Dich dazu bewogen, dieses Amt zu übernehmen?

Ich hatte gar keine Möglichkeit, mich dagegen zu wehren. Im Grunde hat man mich einfach dazu gedrängt, weil ich ja vorher schon alles gemacht habe.

Was hat Dir daran Spaß gemacht?

Das Planen. Die Kontrolle zu behalten. Ich plane gerne. Weit vorausschauend. Ich kann gar nicht anders. Deshalb bin ich gespannt, wie es mir demnächst gehen wird.

Was war ein unvergessliches Erlebnis dieser Arbeit?

Da gibt es sogar etliche…

Für mich war es immer eine Herausforderung, öffentlich zu sprechen und die Ansagen bei den Konzerten machen zu müssen. Ich werde bestimmt nicht vergessen, wie mir bei der Begrüßung im Jubiläums-Konzert 2008 vor Aufregung die Stimme versagte – grade als ich gesagt hatte, wie gesund das Singen sei. Eine Zuschauerin brachte mir ein Bonbon und die ganze Kirche brüllte vor Lachen.

Mir persönlich bleibt der Auftritt in der Oetkerhalle auch deshalb in Erinnerung, weil ich dort mit meiner Anmoderation „Alles Gute…“ zum Kriminaltango die Lacher auf meiner Seite hatte.

Unvergesslich waren auch die ersten Gospelkirchentage, wo wir jedes Mal für die Chorleiter schwärmten: Erst Tore Aas, dann Joakim Arenius und Hans Christian Jochimsen. Dabei ergab sich einmal die Gelegenheit, dass ich mich mit Joakim fotografieren lassen konnte und Kirsten hat es verbockt! Das Foto war nichts geworden, wie sich erst hinterher herausstellte.

Was war die größte Herausforderung?

Die Vereinsgründung mit den ganzen Regularien. Das war schwierig abzustimmen.

Was hat Dich am meisten genervt?

Ich bin relativ schnell. Und erwarte dann auch direkt eine Reaktion. Es nervt mich dann schon, wenn keine Rückmeldung kommt. Oder wenn andere nicht mitdenken…

Ich war immer bemüht, alle Chormitglieder mit allen Informationen auf dem Laufenden zu halten. Dann wird aber immer wieder nach Dingen gefragt, die schon bekanntgegeben wurden. Weil es ja bequemer ist, die Frage in den Raum zu werfen, als selber zu recherchieren – oder sich Dinge zu merken bzw. zu notieren.

Wieviel Zeit hast Du durchschnittlich pro Woche investiert?

Wenn Du meinen Mann fragst, sagt der: „ Die hat den halben Tag am Schreibtisch gesessen.“ Ich denke etwa drei bis zwölf Stunden in der Woche. Je nachdem, was gerade anstand. Aber solche Sachen wie die Chor-Accessoires bestellen, mache ich ja gerne. Und ich finde es wichtig, dass diese Dinge so gestaltet werden, dass sie bei späteren Nachfragen nachvollziehbar sind.

Warum hast Du das Amt nun abgeben?

Wir trommeln seit vier Jahren, dass der Vorstand sich verjüngt. So ganz jung ist er zwar jetzt nicht geworden. Aber ich finde es wichtig, dass neue Ideen kommen. Wenn Du immer das Gleiche machst, gibt das zwar Sicherheit, aber die Strukturen sind irgendwann eingefahren. Da darf mal ein frischer Wind wehen.

Und ich merke schon jetzt in diesen ersten zwei Wochen, wie schön es ist, sich nicht kümmern zu müssen und die Verantwortung abgeben zu können. Als Vorsitzende hatte ich ständig dieses Gefühl: Habe ich jetzt auch an alles gedacht? Was muss ich noch alles besprechen? Ich kam jeden Montag mit einem Zettel an ToDos zur Chorprobe und habe dann doch wieder etwas vergessen. Das hat mich zuletzt doch ziemlich angestrengt. Für mich war das jetzt ein guter Zeitpunkt das Amt abzugeben.

Und ganz besonders berührt hat mich, wie der Chor meine Verabschiedung als Vorsitzende gestaltet hat! Großartig, was sie sich haben einfallen lassen, und das zusätzlich zu den Konzert-Vorbereitungen! Das bestätigt das Sprichwort „Wenn’s am schönsten ist, sollte man gehen“.

Welche Eigenschaften brauchen Deine beiden Nachfolgerinnen?

Man muss es ja nicht so machen, wie ich es gemacht habe. Man sollte jedoch strukturiert arbeiten können und wollen. Es gibt auch Leute die machen das so aus dem Handgelenk. Das muss jeder selber sehen. Vielleicht wird es erst einmal ein bisschen ruckeln. Vielleicht müssen alle jetzt ein bisschen mehr mitdenken.

Es hilft sicher, wenn man ein gewisses Organisationstalent hat und gewohnt ist, strukturiert zu arbeiten. Es ist wichtig, den Überblick zu behalten, aber auch delegieren zu können. Man sollte offen mit dem Chor, aber auch untereinander im Vorstand kommunizieren und auch den Beirat und die Pressesprecherin in Entscheidungen und Überlegungen einbeziehen.

Ich bin sicher, dass Gudula und Margret einen eigenen Weg finden werden und hoffe sehr, dass der Chor die beiden unterstützt, z. B. indem man mitdenkt und ggf. auf To-dos hinweist.

Was machst Du nun mit Deiner überbordenden Freizeit?

Es ist ja Gott sei Dank gerade Frühling. Ich gehe in den Garten… Ich bin gespannt, wie viel mir die Arbeit für den Chor fehlen wird. Im Moment habe ich noch mit der Übergabe zu tun. Habe Ordner sortiert, die ich noch abgeben muss. Habe wichtige Dokumente in die Cloud gestellt, damit der neue Vorstand Zugriff hat.

Für wen schreibst Du zukünftig Listen? (Für Deinen Mann?)

Wahrscheinlich. Geht schon los…Vielleicht führe ich heimlich noch ein paar Listen zu Auftrittsanfragen oder so 😅

Die Garage ist schon aufgeräumt, was kommt als nächstes Projekt?

Ja, wir sind schon gut dabei. Wir haben ein Hochbeet gebaut, das wird jetzt bepflanzt. Ansonsten Fahrrad fahren. Da wird sich genug finden. Außerdem habe ich ja angefangen, Ukulele zu spielen und habe jetzt mehr Zeit zum Üben. Und ich frische grade meine Englisch- und Französisch-Kenntnisse mittels täglicher App-Übungen auf.

Was bleibt noch zu sagen?

Für mich waren die Jahre im Vorstand eine gute Schule. Wie schon gesagt, hatte ich anfangs große Probleme öffentlich zu sprechen. Das ist mit den Jahren besser geworden und ich bin durch „Learning by doing“ selbstsicherer geworden. Ich bin kein Mensch, der anderen gern sagt, was sie zu tun haben. Mit der Zeit habe ich aber auch die Vorteile darin gesehen, Entscheidungen treffen und Ansagen machen zu können. Man wächst eben an seinen Aufgaben. 😉

 

Interview/Text: Carola Ritterhoff